04.02.2026
Gürtelroseimpfung
STIKO-Update: neue Empfehlung für Herpes-zoster-Impfung bei Risikogruppen bereits ab 18 Jahren
Eine erweiterte Impfempfehlung der STIKO zielt darauf ab, Herpes-zoster-Erkrankungen und damit assoziierte Komplikationen auch bei jüngeren Risikogruppen zu reduzieren. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.
Im November 2025 hat die Ständige Impfkommission (STIKO) den Beschluss für eine Erweiterung der Empfehlung zur Indikationsimpfung gegen Herpes zoster (HZ) im Epidemiologischen Bulletin bekanntgegeben1.
Neu ist, dass HZ-Impfungen mit dem adjuvantierten Subunit-Totimpfstoff nun ausdrücklich für Personen ab 18 Jahren empfohlen werden, die ein erhöhtes Risiko für HZ-Erkrankungen haben z. B. CED-Patient•innen unter Immunsuppression, Autoimmunerkrankungen oder schweren chronischen Grunderkrankungen – unabhängig vom Alter.1 Zuvor war die Indikationsimpfung nur für Risikogruppen ab 50 Jahren und für die allgemeine Bevölkerung ab 60 Jahren vorgesehen. Die neue Empfehlung erweitert den Anspruch auf alle erwachsenen Risikopatient•innen – unabhängig von Alter oder Grunderkrankung. Die neue Empfehlung fällt in den zugelassenen Anwendungsbereich des Totimpfstoffs, der grundsätzlich schon seit Juli 2020 nach ärztlichem Ermessen bei gefährdeten Personen ab 18 Jahren eingesetzt werden konnte2.
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die neue STIKO-Empfehlung im Februar 2026 in die Schutzimpfungsrichtlinie aufgenommen.3 Die Kostenerstattung durch die Krankenkassen ist damit sichergestellt.
Hier finden Sie die aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts rund um die HZ-Impfung sowie weitere Informationen zum HZ bei chronisch-entzündlichen-Darmerkrankungen (CED).
Gut zu wissen:
Eine Impfung gegen Windpocken, die ebenso wie der HZ durch Varicella-Zoster-Viren (VZV) verursacht werden, schützt nicht vor einer HZ-Infektion. Erfolgt eine solche Impfung im Kindesalter, senkt sie jedoch das Risiko, an HZ zu erkranken, und kann schweren Krankheitsverläufen vorbeugen4,5. Umgekehrt ist eine HZ-Impfung auch kein Ersatz für eine indizierte Windpockenimpfung.
Im Regelfall ist es nicht nötig, vor einer HZ-Impfung eine zurückliegende Windpockenerkrankung anamnestisch oder serologisch zu sichern, da in Deutschland fast alle Menschen in der Altersgruppe 50+ bereits an Windpocken erkrankt waren. Davon ausgenommen sind Patient⋅innen, bei denen eine immunsuppressive Therapie oder eine Organtransplantation geplant ist. Im Fall einer Seronegativität wird hier eine Windpockenimpfung empfohlen6.
CED-Patient⋅innen zählen zur Risikogruppe
Mit der überarbeiteten Impfempfehlung verfolgt die STIKO das Ziel, HZ-Neuerkrankungen und Rezidive bei jüngeren Patient⋅innen zu reduzieren und damit assoziierten Komplikationen vorzubeugen1.
Die STIKO-Impfempfehlung gilt für folgende HZ-Risikogruppen1:
- Menschen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz
- Menschen mit Autoimmunerkrankungen
- Menschen mit chronischen Grunderkrankungen, die ein erhöhtes HZ-Risiko mit sich bringen
CED-Patient⋅innen zählen zu den Risikogruppen, bei denen eine frühe HZ-Impfung angezeigt ist. Nach Daten der Kassenärztlichen Vereinigungen liegt die HZ-Inzidenz in der deutschen CED-Population bei 10,7 (Morbus Crohn) bzw. 10,8 (Colitis ulcerosa) pro 1.000 Personenjahre. In diesen Kollektiven ist die HZ-Inzidenz fast doppelt so hoch wie bei immunkompetenten Personen ohne Grunderkrankungen in der Altersgruppe 18+ (5,9/1.000 Personenjahre)7.
Senkung des Erkrankungsrisikos: Vorteile der frühen Herpes-zoster-Impfung
Die neue STIKO-Impfempfehlung ist darauf ausgelegt, das individuelle Erkrankungs- und Komplikationsrisiko bei Erwachsenen zu senken – sowohl im Kontext von Grunderkrankungen, die mit einem erhöhten HZ-Risiko einhergehen, als auch im Rahmen einer Behandlung mit immunsupprimierenden Arzneimitteln, die das HZ-Risiko nachweislich erhöhen (z. B. Januskinase[JAK]-Inhibitoren). CED-Patient⋅innen können daher in doppelter Hinsicht von einer frühen HZ-Impfung profitieren.
In einer gepoolten Analyse von zwei placebokontrollierten Phase-III-Studien erreichte der Totimpfstoff bei Personen im Alter von ≥ 18 Jahren eine Impfeffektivität von 70 %8,9. Darin wurden Patient⋅innen eingeschlossen, die entweder eine autologe Stammzelltransplantation erhalten hatten9 oder maligne hämatologische Erkrankungen hatten8.
Ähnliche Wirksamkeitsergebnisse wurden in einer US-amerikanischen Beobachtungsstudie bei Patient⋅innen mit Immunsuppression (Impfeffektivität 64 %) oder Autoimmunerkrankungen (Impfeffektivität 68 %) erzielt10.
Sicherheitsdaten liegen aus mehreren randomisierten kontrollierten Studien vor8,9,11-15. Darin fiel zwar insbesondere nach der zweiten Impfdosis eine hohe Rate von lokalen und systemischen Impfreaktionen auf, allerdings waren diese von kurzer Dauer und klangen vollständig ab. Schwere unerwünschte Ereignisse, die möglicherweise im Zusammenhang mit der HZ-Impfung standen, waren selten1.
In den folgenden Abschnitten finden Sie weitere Informationen zur Sicherheit und Wirksamkeit des Totimpfstoffs:
Weder in präklinischen Untersuchungen noch in den zulassungsrelevanten klinischen Studien gab es Hinweise auf anhaltende gesundheitsschädigende Effekte oder neu aufgetretene Autoimmunerkrankungen nach der HZ-Impfung mit dem Totimpfstoff2,16.
Nach der Markteinführung dieses Impfstoffs im Jahr 2018 wurden Verdachtsfälle von potenziellen HZ-Episoden mit ausgeprägten Hautreaktionen publik, die im engen zeitlichen Zusammenhang mit den Impfungen aufgetreten waren. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) setzte daher eine Beobachtungsstudie auf, um zu untersuchen, ob diese Fälle möglicherweise auf eine Reaktivierung von VZV zurückzuführen sind bzw. ob es sich dabei um eine Nebenwirkung der Impfung handeln könnte.
Die Studie ist zu folgenden Ergebnissen gekommen:
- Die Mehrheit der Patient⋅innen, die nach der HZ-Impfung zosterähnliche Hautreaktionen gezeigt hatten, wurde negativ auf VZV getestet. Bei manchen Patient⋅innen konnten Herpes-simplex-Viren vom Typ 1 oder 2 nachgewiesen werden17.
- Bei denjenigen Patient⋅innen, die nach der Impfung Hautreaktionen entwickelt hatten und positiv auf VZV getestet wurden, traten die Symptome i. d. R. innerhalb einer Woche nach der ersten Impfung oder kurze Zeit nach der zweiten Impfdosis auf. Bei den nachgewiesenen Viren handelte es sich nicht um den Virusstamm, der für die Impfung verwendet wird, sondern um eine Wildtyp-Variante. Das PEI weist darauf hin, dass mit VZV infizierte Personen nach der Impfung erst dann eine ausreichend schützende Immunantwort aufbauen, wenn das Impfschema vollständig abgeschlossen ist17. Ein hoher Impfschutz sei circa einen Monat nach Erhalt der zweiten Impfdosis zu erwarten18.
- Beim Vergleich der Anzahl der gemeldeten HZ-Verdachtsfälle, die innerhalb von 28 Tagen nach einer Grundimmunisierung mit dem Totimpfstoff aufgetreten waren, mit der Anzahl der im gleichen Zeitraum zufällig aufgetretenen HZ-Erkrankungen in einer ungeimpften Kontrollpopulation ergab sich kein Signal für ein erhöhtes Sicherheitsrisiko18.
- Nach Einschätzung des PEI könnten die Verdachtsfallmeldungen auf eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber potenziellen Nebenwirkungen der Impfung zurückzuführen sein, „was insbesondere bei neu zugelassenen und/oder verwendeten Impfstoffen auch erwünscht ist, um potenzielle Risikosignale zeitnah zu detektieren und weiter untersuchen zu können“18.
Die Studienleiter⋅innen kommen zu dem Schluss, dass der Nutzen der Impfung deren Risiken bei weitem überwiegt und dass man den allgemeinen Impfempfehlungen der STIKO folgen kann, ohne darüber hinausgehende risikominimierende Maßnahmen treffen zu müssen17.
Eine HZ-Infektion tritt gewöhnlich nur einmal im Leben auf. Wiederkehrende HZ-Episoden sind aber grundsätzlich möglich. Eine bereits durchgemachte HZ-Erkrankung schützt also nicht vor einem Rezidiv. Das Rezidivrisiko ist bei Personen, die an bestimmten chronischen Erkrankungen leiden, erhöht19.
In einer Phase-III-Studie erhielten 96 Erwachsene im Alter von ≥ 50 Jahren, bei denen eine ärztlich diagnostizierte HZ-Erkrankung in der Vorgeschichte bekannt war, zwei Dosen des Totimpfstoffes im Abstand von zwei Monaten20. In den darauffolgenden zwölf Monaten gab es eine unerwartet hohe Anzahl von HZ-Verdachtsfällen (neun Fälle bei sechs Patient⋅innen [6,3 %]). Die Autor⋅innen mutmaßen allerdings, dass es sich dabei nicht in allen Fällen um echte HZ-Episoden gehandelt hat20. Sie begründen diese These wie folgt:
- Alle Studienteilnehmer⋅innen wurden darin geschult, typische HZ-Symptome zu erkennen, was zu einer erhöhten Meldebereitschaft beigetragen haben könnte. Drei Verdachtsfälle basierten auf einer Meldung durch die betroffenen Patient⋅innen20.
- Die Verdachtsfälle wurden nicht per Nachweis der Virus-DNA verifiziert. Nur auf diesem Weg kann eine Herpes-zoster-Diagnose eindeutig gestellt werden20.
- Die Verdachtsfälle waren regional inhomogen verteilt. Alle Fälle traten an zwei Zentren in Kanada auf, an denen 48 Teilnehmer⋅innen in die Studie eingeschlossen wurden. In der russischen Subgruppe mit ebenfalls 48 Proband⋅innen gab es dagegen keine Verdachtsfälle20.
Eine weitere Phase-III-Studie, deren Ergebnisse im September 2025 veröffentlicht wurden, spricht dafür, dass Patient⋅innen mit einer HZ-Erkrankung in der Vorgeschichte nach Anwendung des Totimpfstoffes kein erhöhtes Rezidivrisiko haben21. HZ-Rezidive waren in dieser Studie selten und traten ausschließlich in der Placebogruppe auf21. In diese Studie wurden ebenfalls nur Patient⋅innen ab 50 Jahren eingeschlossen.
Die STIKO äußert sich zu der Frage nach dem Zeitpunkt der Impfung gegen HZ bei Menschen, die diese Erkrankung bereits durchgemacht haben, wie folgt:
„Die Herpes-zoster-Impfung mit dem Totimpfstoff können auch Personen bekommen, die bereits in der Vergangenheit an Herpes zoster erkrankt waren. Der Totimpfstoff ist jedoch nicht zur Behandlung einer Herpes-zoster-Erkrankung oder ihrer Spätfolgen vorgesehen. Die Impfung sollte daher frühestens zu einem Zeitpunkt erfolgen, wenn die akute Erkrankung vorüber ist und die Symptome abgeklungen sind16.“
Bei Personen mit einer angeborenen, erworbenen oder medikamentösen Immunsuppression sind Impfungen mit Lebendimpfstoffen kontraindiziert. Eine Impfung mit Totimpfstoffen ist dagegen grundsätzlich möglich22,23. Während einer immunsuppressiven Therapie sollte die Impfung mit dem HZ-Totimpfstoff möglichst in einer Phase erfolgen, in der die Erkrankung stabil und die Behandlung so wenig immunsuppressiv wie möglich ist16. Wenn eine Therapie mit einer starken immunsuppressiven Wirkung geplant ist, sollte die Impfung – sofern ärztlich vertretbar – mindestens zwei, idealerweise vier Wochen vor Beginn der Therapie abgeschlossen sein, um einen optimalen Impferfolg zu erzielen16.
Wenn Patient⋅innen krankheitsbedingt oder aufgrund einer Therapie immundefizient bzw. immunsupprimiert sind oder es möglicherweise werden könnten, kann ein verkürztes Impfintervall in Betracht gezogen werden: Die zweite Dosis des Totimpfstoffes kann in diesem Fall innerhalb von ein bis zwei Monaten nach der ersten Dosis verabreicht werden2.
Studie bestätigt Impferfolg bei Immunsuppression mit JAK-Inhibitoren
Totimpfstoff wirkt auch bei CED-Patient⋅innen
Eine retrospektive US-amerikanische Studie hat die Wirksamkeit des HZ-Totimpfstoffs bei CED-Patient⋅innen im Alter von ≥ 50 Jahren ausgewertet26. Sie verglich die HZ-Inzidenzraten bei 6.501 geimpften CED-Patient⋅innen und bei 19.962 ungeimpften Kontrollen, die ebenfalls an einer CED erkrankt waren. Während in der geimpften Population 2,92 HZ-Fälle pro 1.000 Patient⋅innenjahre auftraten, waren es in der ungeimpften Kontrollkohorte 10,96 Fälle pro 1.000 Patient⋅innenjahre. Dieses Verhältnis entsprach einer Wirksamkeit der Vakzine von 73,4 % (95-%-Konfidenzintervall: 60,8–82,0)26.
In Übereinstimmung mit diesen Daten aus dem US-amerikanischen Praxisalltag sprechen auch erste Ergebnisse der europäischen EUROPE-Studie dafür, dass einige CED-Patient⋅innen trotz ihres erhöhten HZ-Risikos keine schützende Impfung erhalten27. In dieser Studie waren zur Baseline 62 % von insgesamt 124 rekrutierten CU-Patient⋅innen noch ungeimpft und nur 16 % hatten die vollständige Grundimmunisierung abgeschlossen. Diese Zahlen legen nahe, dass das Bewusstsein für das HZ-Risiko dieser Patient⋅innen in der Ärzteschaft noch nicht flächendeckend vorhanden ist27.
Eine Langzeitstudie mit dem HZ-Totimpfstoff hat gezeigt, dass der Großteil der Patient⋅innen auch rund zehn Jahre nach der Grundimmunisierung noch ausreichend vor HZ-Episoden und den damit verbundenen Komplikationen geschützt ist28. Die Wirksamkeit des Impfstoffs lag im Zeitraum zwischen der Impfung und dem Ende des bis zu zehnjährigen Beobachtungszeitraums bei 89,0 %. Im gesamten Follow-up-Zeitraum waren die Anti-Glykoprotein-E-Titer im geometrischen Mittel mehr als fünffach höher als vor der Impfung28. Ein adäquater Schutz ist demnach für mindestens zehn Jahre nach der Grundimmunisierung zu erwarten. Über diesen Zeitraum hinaus liegen bislang keine Daten vor.
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